Was lässt sich aus dem Drama des Flugzeugabsturzes über den französischen Alpen ablesen?

Als der Copilot den Kranich am 25.03.2015 gegen das Felsmassiv lenkte, war er wahrscheinlich nicht mehr Herr seiner geistigen Sinne. Er hatte sich bereits im Vorfeld aus einer krank machenden und rücksichtslosen Gesellschaft verabschiedet, die die Kapitalisierung des SELBST zum Götzen erhoben hat. Nur wer sich neurotisch verhält, kann in die Tempel der Macht einziehen. Nur  wer sich den Leistungsmaximen der Optimierer*innen beugt, kann mit Erfolg rechnen.

Wieder wird scheinheilig getrauert und nach Ursachen gesucht, die mit des Pudels Kern nichts gemein haben. Psychisch kranke Menschen wachsen und entwickeln sich in einer psychisch kranken Gesellschaft, die die Kränkung zum Abfallprodukt erkoren hat. Damit der Gewinn stimmt, darf gelitten werden. Für die Auszahlung der Dividende der Aktionäre darf unmerklich gestorben werden.

Wie viele Pilot*innen ertragen den täglichen Stress nur mit Beruhigungsmitteln und Alkohol? Wie viele Bedienstete der Fluggesellschaften fühlen sich gemobbt oder missverstanden?

Natürlich können wir die mangelnde Frustrationstoleranz von Mitarbeitern nicht als Alibi für einen Suizid mit möderischen Folgen heranziehen. Aber wir können die Augen öffnen für die Verzweiflung von Menschen, die in Betrieben für die Maximierung von Gewinnen gebeutelt werden, die nur wenige bereichert.

Hier liegt der Fokus der Ereignisse:

Wir müssen endlich begreifen, dass die kapitalistischen Gesellschaften einen Ausgleich benötigen. Einen zwischen den Abschöpfer*innen und Gewinnler*innen und den Absaufenden und Rackernden. Es kann nicht länger angehen, dass sich einige wenige die Taschen vollstopfen, während die anderen die Steine aus dem Feuer holen.

Im Falle unseres Copiloten handelte es sich wohl nicht um einen jungen Hungerleider, der sich vor Chancenlosigkeit zerreißen musste. Er war wohl eher ein Opfer der Neurose, der er anheim gefallen war: „Du sollst leisten! Du bist noch nicht reif genug! Du bist Elite und doch nur gebrauchter Idiot!“

Die narzistische Kränkung eines frustrationsschwachen Menschen in einer neurotischen Gesellschaft ist wohl verantwortlich für diese Katastrophe. Viele junge und viele erfahrene Leben können ihre Träume nun nicht mehr erfüllen. Darum trauere ich hier und senke mein Haupt in Demut vor der Grausamkeit des Schicksals.

Was jedoch nicht schicksalshaft ist, das ist die ekelhafte Krankheit unserer Welt, die ihren triebhaften Hals nicht voll bekommen kann. Wann werden wir begrenzten Menschen endlich begreifen, dass wir uns begrenzen müssen – ein massiver Fels ist eben kein Schlossgespenst und die Erde ist nicht endlos und extensiv ausbeutbar.

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